Hallo Gee99:
10-15 Minuten sind in der Tat sehr wenig, nach Möglichkeit dehnt man die zur Verfügung stehende Zeit natürlich aus, oftmals hat man aber wirklich nur die wenigen Minuten und die wollen sinnvoll genutzt sein.
Ein supertolles Zeitmanagement hilft nur dann, wenn sämtliche Pflegekräfte (auch externe wie Fußpflege und Physiotherapie sowie Angehörige) Bescheid wissen dass Bewohner X am Dienstag von … bis …Therapie bekommt und somit störungsfreies Arbeiten ermöglicht wird.
Hinzu kommt, dass auch der Bewohner in diesem Zeitfenster von seiner Tagesverfassung her in der Lage sein muss, sich dem Therapieangebot zuzuwenden, was aber oftmals nicht der Fall ist.
Denn Sorgen, Schmerzen, Verwirrtheit, Müdigkeit, nötige Pflegetätigkeiten, Toilettengänge und Besuche halten sich nun mal an kein supertolles Zeitmanagement!
Flexibilität ist also in jedem Fall gefragt und das Bereithalten einer Alternative zum geplanten Therapieangebot.
Ich frage kurz vorher bei den Pflegekräften nach ob in den nächsten Minuten Pflegetätigkeiten anstehen oder nicht und hänge dann ein Schild mit der Aufschrift „Therapie – bitte nicht stören!“ an die Tür.
Was kann man nun in 10-15 Minuten machen?
Bewegungsübungen
aktiv, assistiv, passiv zur Kontrakturenprophylaxe, wobei ich mich da
aus Zeitmangel meist auf die gefährdeten Gelenke beschränke.
Bettlägerige Bewohner nach Möglichkeit auf die Bettkante setzen als Form der Basalen Stimulation
Basale Stimulation
geht generell immer, nach Möglichkeit mit biografischem Bezug
10-Minuten-Aktivierung
das Konzeot setze ich mal als bekannt voraus
Biografisches Arbeiten / Erinnerungspflege
mit persönlichen Dingen des Bewohners (Erinnerungskiste)
handwerkliches Gestalten;
so kann man beispielsweise auch Pomponwickeln, Seidenmalerei oder Peddigrohr im Bett machen. Ein kleines Werkstück muss ja nicht an einem Tag fertig werden
leichte Gedächtnistrainingsübungen,
z.B.:Kreuzworträtsel, Wortsammelübungen wie Tiere von A-Z, was findet man alles im Kühlschrank, Männer- und Frauennamen,…
Musiktherapie,
z.B.: selber musizieren (Orff´sche Instrumente, Mundharmonika,...) Lieder hören und erraten, singen, Musikinstrumente hören und zuordnen
An Ergolone:
„Was können wir tun?“ hast du gefragt.
Wenn du einmal in der Woche im Heim bist ist das wenig, aber wenn du engagiert bist und es in Erwägung ziehst, auch mal ´ne halbe Stunde nach Feierabend zu investieren wirst auch du sicher Möglichkeiten finden, dich auf Dauer etwas entbehrlicher machen zu können.
Vielleicht ist bei meinen Vorschlägen ja etwas dabei, was du in der Einrichtung umsetzen kannst:
- Ehrenamtliche gewinnen
evtl. über einen Presseartikel, hausinternen Aushang (mit der Heimleitung absprechen!) und diese in einfache Aktivierungsmöglichkeiten unterweisen, z.B. mal eine Geschichte vorlesen (Basale Stimulation; auditive Wahrnehmung!), Spaziergänge an der frischen Luft (u.a. zum Erhalt der Gehfähigkeit!) und Gesprächsführung.
Hier wird wahrscheinlich ein Infonachmittag nötig sein, um die verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen und festzulegen, welcher Ehrenamtlicher sich um welche Bewohner kümmert.
- Angehörige einbeziehen
Pflegekräfte fragen, welche Angehörigen sehr engagiert und interessiert sind und diese zu einem Gespräch einladen um sie aufzuklären, in wieweit sie die pflegerischen und therapeutischen Bemühungen unterstützen können. Insbesondere in der Basalen Stimulation und Biografiearbeit können Angehörige sehr gute Dienste leisten und sind oftmals sehr froh, nicht passiv neben dem Bett sitzen zu müssen weil „Mutter ja nichts mehr kann“.
- Kontakte zu anderen Bewohnern fördern,
z.B. Bewohner aus dem gleichen Wohnort oder anderen Gemeinsamkeiten (gleiches Schicksal, gleicher Beruf,…bei den Altenpflegekräften erfragen!) immer wieder zusammenführen, Gespräche anregen um somit im Idealfall Freundschaften ins Leben zu rufen
- Kontakte zum ortsansässigen Kindergarten
herstellen und fragen, ob die Kinder nicht regelmäßig in die Einrichtung kommen könnten um gemeinsam mit Bewohnern etwas zu machen
Aber du siehst an meinen Beispielen schon, dass ohne Zeitaufwand und Engagement nichts geht.
Dieser zusätzliche Zeitaufwand lohnt sich aber, denn wenn diese zusätzlichen Aktivierungsmöglichkeiten einmal ins Rollen gekommen sind, kannst du dich wieder deiner Einzelförderung widmen.
Ich kann aber auch verstehen, wenn unter Zeitdruck stehende externe Mitarbeiter nicht dieses Engegament aufbringen können oder möchten.
Liebe Grüße
Cassio