Hallo Ententigger!
Ich fasse mal zusammen:
Probleme:
- Agnosie
- Desorientiertheit zum eigenen Körper und dadurch auch Probleme in der
Bewegungsplanung
- Erkennt Gefahren nicht
- Alexie
- Wortfindungsstörungen
- Autostimulation
Ressourcen:
- Singen
- Hat Freude an Bewegung
- Nimmt Geräusche um sich herum wahr und reagiert darauf
- Nimmt Basale Stimulation an
All das weist schon auf eine stark fortgeschrittene Demenz hin, denn die Orientierung zum eigenen Körper geht ja als letztes verloren, sensorische (sowie auch soziale und kognitive) Deprivation droht.
Mit der Basalen Stimulation bist du schon auf dem richtigen Weg, nur darfst du hier nicht im Sinne eines Wahrnehmungstraining erwarten, dass sie die Reize voneinander differenzieren kann.
Es geht vielmehr darum, gezielte und biografieorientierte Reize zu setzen um ihr somit eine Möglichkeit zu bieten mit der Außenwelt in Kontakt zu treten und sich selbst wieder zu spüren.
Ihre Autostimulation ist bereits ein Hilfeschrei und als Zeichen zu deuten, dass ihr was fehlt.
Wenn du also Reize setzt, begleite diese verbal indem du ihr etwas dazu erzählst anstatt zu erwarten dass sie die Reize erkennt. Also zum Beispiel so: „Riechen Sie mal! Das riecht nach Rosen! Vielleicht hatten Sie auch Rosen in Ihrem Garten?“ und so weiter. Du kannst also deine eigenen Assoziationen, die du zum jeweiligen Medium hast, ihr mitteilen anstatt es von ihr zu erwarten.
Bei der Basalen Stimulation bekommt man oft wenig Feedback von den Bewohnern auf die gesetzten Reize, Reaktionen sind oft nur ganz dezent und man muss schon genau hinsehen und natürlich den Bewohner in seinen Reaktionen kennen um diese wahrzunehmen. Zum Beispiel kann die Atmung gleichmäßiger werden oder der Bewohner entspannt sich und wird ruhiger.
Du kannst also in der Basalen Stimulation alle Sinnesbereiche mit einbeziehen, wobei aber die Biografie mit Vorlieben und Abneigungen berücksichtigt werden sollte: Lieblingsdüfte, Lieblingsspeisen, bevorzugte Schlafposition usw.
Ideen zur basalen Stimulation findest du im Internet reichlich, hier noch ein paar Anregungen:
Taktil:
- im Sommer barfuss über den Rasen, über Sand und weitere verschiedene
Gehbeläge (auf Verletzungsgefahren achten!)
- bei einem Spaziergang Bäume, Sträucher, Früchte be“greifen“ lassen
- Alltagsgegenstände die ihr vertraut sind in die Hand geben
- Kuchenteig kneten (auch gustatorisch und olfaktorisch!)
Vestibulär:
- im Schaukelstuhl sitzen
- Tanzen!
- Gehtraining („Storchengang“) + Treppensteigen
Propriozeptiv:
- Massagegerät einsetzen
- lautes Singen und musizieren (z.B. trommeln)
- Bewegungsübungen (z.B. mit einem Luftballon)
- Automatisierte Bewegungsmuster abrufen um die Bewegungsplanung zu
erleichtern:
„Wir kneten einen Kuchenteig“
„Wir rollen Klöße!“
„Wir winken zum Abschied!“
u.s.w.
Wenn du erst einmal mit Basaler Stimulation angefangen hast, findest du sicher weitere Möglichkeiten.
Wichtig sind hier die Angehörigen, weil sie uns zur Biografie wichtige Informationen geben können, die der Betroffene selbst nicht mehr nennen kann, zum Beispiel was Abneigungen und Vorlieben angeht, mit welchen Materialien hatte der Betroffe beruflich zu tun usw.
Vielleicht kannst du gemeinsam mit den Angehörigen eine "Erinnerungskiste" anlegen?
Liebe Grüße,
Cassio