blinder, dementer Patient mit Zerebralparese

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05 Juli 2010 21:49 #8483 von ringelkreis
blinder, dementer Patient mit Zerebralparese wurde erstellt von ringelkreis
Hallo,
ich habe einen neuen Patienten in einem Wohnheim. Er ist blind, dement und sitzt im Rollstuhl.
Die Betreuer möchten, dass ich u.a. Gedächtnistraining mit ihm mache damit er geistig nicht noch weiter abbaut, das gestaltet sich aber recht schwierig.
Ich habe ihm außerdem Dinge zum Fühlen angeboten (weich, hart, rauh), das kann er aber nicht zuordnen, auch einfache Gegenstände über das Fühlen zu erraten klappt nicht (außer Ball).
Er hat kaum eine zeitliche Orientierung, schläft zur Zeit immer nach Bedarf und eine ordnungsgemäße Tagesstruktur bekommen die Betreuer zur Zeit mit ihm nicht hin.
Wer hat Erfahrung mit Blinden und Vorschläge, wie ich die Therapie weiter sinnvoll gestalten kann!?

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06 Juli 2010 10:17 #8486 von Anonymous
Hallo,
beim Gedächtnistraining habe ich gute Erfahrungen mit Geräusche- CD´s gemacht. Im Internet findest du viele Seiten die kostenlos bekannte Geräusche zum Runterladen anbieten. Z.b. ein Vogelzwitschern, ein Auto, eine Hupe, eine Kirchenglocke...
Du könntest ja zu jedem Geräusch, dass Erraten werden muss noch weitere Fragen stellen über Größe, Form, Farbe, Einsatzmöglichkeiten, etc.
Ich weiß jetzt leider nicht, ob diese Übung zu komplex für deinen Bewohner ist, aber vielleicht entwickelts du darüber hinaus eigene Ideen, oder kannst diese entsprechend adaptieren?!

Liebe Grüße

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09 Juli 2010 17:01 #8489 von talie
Hallo Ringelkreis,
ich arbeite als Ergo in einer der wenigen Einrichtung für blinde und sehbehinderte Senioren. Gerne würde ich Dir Tips geben, aber es ist schwierig sich ein Bild über diesen BW zu machen. Du schreibst das er neu ist und für mich wäre in erster Linie wichtig wie sich der BW von der bigrafie etc. zusammen setzt. Mir erscheint es als sehr voreilig das die Erwartungen mit Gedächnistraining an Dich herngetragen werden.Ich weiß ja nicht wie lange der neue BW schon bei euch ist, aber sollte er nicht erst einmal richtig ankommen? Laß Dich nicht zu sehr von den Erwartungen Anderer leiten, wichtig bei der Arbeit mit Blinden Menschen ist, oberste Prio, die Basis von Vertrauen aufzubauen. Sehbehinderte und Blinde Senioren lernen auch ihr Umfeld über für uns scheinbare komplexere Wege anderer Sinneskanäle kennen, brauchen einfach Zeit um diese Eindrücke zu verarbeiten.
Talie

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14 Juli 2010 22:50 #8505 von ringelkreis
Vielen Dank ersteinmal für eure Antworten und Ratschläge!!!
Hallo Talie,
dann bist du der perfekt Ansprechpartner für mich!!!
Hier eine etwas genauere Beschreibung meines Patienten bzw. meiner Situation.

Mein Patient ist 60 Jahre alt und sitzt durch einen Unfall seit seinem 15.Lbj. mit einer Zerebralparese im Rollstuhl, seit diesem Zeitpunkt ist er laut meinen Infos auch blind.
Ich komme 2x die Woche zu ihm in die Wohnstätte in der er lebt. Die Mitarbeiter möchten dass ich Hirnleistungstraining mit ihm mache, da er seit Anfang des Jahres nicht nur körperlich sondern auch kognitiv sehr abgebaut hat. Ihnen sind vor allem Tageszeiten, Wochentage usw. wichtig. Mein Patient ist aber schon wirklich sehr dement, er kann stellenweise TAgeszeiten, Wochentage, JAhreszeiten usw. benennen aber wenig zuordnen und die meiste Zeit ist er eher orientierungslos und schläfrig. Laut Mitarbeiter hat er einen unregelmäßigen Tagesrhytmus und schläft wann er möchte , ich habe aber auch das Gefühl dass einige Mitarbeiter überlastet sind und ihn einfach auch gern mal im Bett liegen lassen. Das letzte Mal habe ich versucht die Idee mit den Geräuschen umzusetzen, was aber total daneben ging. Mein Patient lag wieder im Bett als ich kam, war schläfrig, wurde dann aber wach. Er hat nicht ein Geräusch erkannt, immer abgelenkt. Dazu kommt auch noch dass mein Patient Schwierigkeiten beim Sprechen hat. Er braucht lange bis er die Worte ausspricht und ist schwer zu verstehen. Mittlerweile habe ich aber schon ein wenig Übung und es kommt immer mehr bei mir an.
Ich hoffe ich habe einen genaueren Eindruck geben können und nehme all eure Ratschläge/Tips sehr dankbar an!

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23 Juli 2010 09:14 #8546 von talie
Hallo Ringelkreis,
tut mir Leid das Du auf meine Antwort so lange warten mußtest, aber bin zur Zeit ganz schön eingespannt. So nun zu Deinem BW. Unabhängig von dem Blind sein,steht für mich erstmal die Z.parese in Vordergrund. Ich gehe davon aus das es eine spastische Z.Parese ist.Schwerpunkt wäre da natürlich nach Aufbau einer Vertrauensbasis, Förderung der Körpereigenwahrnehmung/ Tonussenkende Maßnahmen. Denn kein Mensch kann sich auf Kognitive Leistungen konzentrieren, wenn man sich im eigenen Körper als Knäul/oder Spannbogen von Verwirrungen zusammensetzt und spürt.( ich habe das mal so mit eigenen Worten beschrieben.) Die schläfrigkeit bei einem BW betrachte ich zum einen als Kokon ( Schutz vor von außen an mich heran tretende Reizüberflutung, habe doch schon mit meinem eigenen  Körper genug zu tun, oder kann eine Form der Erschöpfung sein durch Stress die in der Kombi der vorhandenen Demenz dazu beiträgt, das dein BW im wahrsten Sinne immer mehr "verrückt". Konzenriere Dich, wie schon erwähnt, auf die Körpereigenwahrnehmung/ Tonussenkende Maßnahmen. Spüren der eigenen Körperabgrenzung in Form von klares Handling evtl. Abbau von Angst und so weit wie es geht Bewegungsausführungen.Reaktionen von BW sind natürlich sensibel auf zu nehmen, denn jede Form von Reaktionen ist Kommunikation . Noch mal zum Thema mit blinde BW zu arbeiten: Ein anspruchsvolles Klientel. Gerade zu Anfang meiner Arbeit musste ich schnell fest stellen wie sehr man das unterschätzt. Sie sind teilweise besonders sensibel auf den andere Sinneskanälen. Viele meiner BW haben ein besonders ausgeprägtes Gehör. Nicht die Hörfähigkeit an sich sondern feine Unterscheidungen von Stimmlagen in Verbindung der eigenen Grundstimmung.Nur mal so ein kleiner Mini-Einblick meiner Arbeit.Ich arbeite sehr gerne mit Sehbehinderten und Blinden BW , weil ich immer wieder staune, wie unterschiedlich, ( auf für uns Sehenden nicht erkennbaren Ebenen), die eigene Präsents wahrgenommen wird und von den BW wiedergespiegelt wird. Das erfordert ( natürlich wie in jedem anderen Klientel auch) eine Spezielle Sensiblität aber auch klar Abgrenzung seiner eigenen Persönlichkeit.
LG Talie

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13 Aug. 2010 21:03 #8652 von talie
Hey Ringelkreis,
schade das ich nichts mehr von Dir gehört habe. Würde mich doch echt mal interressieren was du jetzt mit deinem BW machst in der Therapie.
LG Talie

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