schwieriger Bewohner - tägliche Betreuung

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18 Nov. 2009 13:15 #7137 von violet
schwieriger Bewohner - tägliche Betreuung wurde erstellt von violet
Hallo,

ich bin gerade etwas ratlos. Wir haben vor einiger Zeit einen neuen Bewohner begrüßen dürfen, der bisher meist nur zum Esstraining in einer kleinen Gruppe war, weil er sich einfach nicht richtig in andere Gruppen integrieren ließ. Nun wurde mir ans Herz gelegt, ich solle ihn täglich beschäftigen, 30 Minuten bis 2 Stunden vormittags, da er den ganzen Tag über den Wohnbereich läuft, Stühle herumschleppt und in den Weg stellt, in die Zimmer der anderen Bewohner geht und dort alles verwüstet, die Einrichtung des Wohnbereichs auseinandernimmt und sich trotz Angeboten nicht dazu bewegen lässt auch nur kurze Zeit ruhig zu sitzen. Das Pflegepersonal kommt einfach nicht mehr hinterher auf ihn aufzupassen.
Der Bewohner hat eine schon weit fortgeschrittene Demenz, ich denke er versteht noch was man ihm sagt, kann sich aber selbst nicht mehr adäquat äußern (sehr verwaschene Sprache) oder das gesagte umsetzen (wobei ich nicht weiß ob er es nicht kann oder einfach nicht möchte). Er lässt sich nicht führen sondern geht seinen eigenen Weg, winkt manchmal ab.
Da ich bisher einen solchen Fall noch nicht hatte, bin ich etwas ratlos was ich ihm anbieten kann. Einen Raum wo er nach Herzenslust herumräumen kann, haben wir leider nicht, andererseits soll er ja auch eben dieses Verhaltensmuster abstellen, sodass irgendwann die tägliche Dauerbetreuung nicht mehr nötig ist und er dann nicht weiterhin alles auseinandernimmt.

Vielleicht hat jemand von euch etwas ähnliches bereits erlebt und könnte mir einen Tipp geben, wie ich den Bewohner effektiv und sinnvoll beschäftigen und vielleicht sogar etwas "umlenken" kann, damit ich auch weiterhin den anderen Bewohnern im Haus gerecht werden kann, denn um die muss ich mich ja auch noch kümmern.
Ich würde mich über Antworten sehr freuen.

Liebe Grüße,
violet

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18 Nov. 2009 18:12 #7139 von Anonymous
Hallo Violet!

Solche Bewohner lernt irgendwann jeder einmal kennen.

Du hast geschrieben, dass ihr keinen Raum habt, in dem der Bewohner nach Herzenslust herumräumen kann, was schade ist. Denn das ist genau das, was er in dieser Phase der Demenz bräuchte.
Das Ziel "ungewollte Verhaltensmuster abstellen" ist utopisch, dazu ist der Betroffene nicht in der Lage.  Vielmehr lautet das Ziel "Freiraum lassen" und "motorische Unruhe abbauen können", indem sie in sinnvolle Bahnen gelenkt werden.
"Sinnvoll" für den Bewohner muss nicht zwangsläufig sinnvoll für uns sein, denn sämtliche Taschentücher auseinanderpflücken oder alle Schränke ausräumen kann  für Demenzkranke höchst befriedigend sein. 
Es liegt also an der Einrichtung und dem betreuenden Personal, diesen Bewohnern ein Betätigungsfeld zu eröffnen, wo er eben genau das kann: nach Herzenslust ausräumen, rumschieben, wühlen.
Im Idealfall hält die Einrichtung eine sogenannte "Laufstraße" bereit, die mit offenen Regalen und Schränken zum ein- und ausladen einlädt. Sprich mal mit der Heimleitung und Pflegedienstleitung, ob ihr da bezüglich Räumlichkeiten nicht doch etwas machen könnt.
Vielleicht reicht ihm aber auch schon eine große Kiste auf dem Boden, in der er wühlen kann.
Wenn er gerne Stühle schiebt, kann er vielleicht unter Aufsicht beim Holen und Bringen von Rollstuhlfahrern behilflich sein.  Vielleicht wäre er auch bereit, den Boden zu fegen, Laub zu harken...im Idealfall eine Tätigkeit, die ihm aus seiner Biografie heraus vertraut ist (Arbeit, Hobbys). Also unbedingt in den Biografiebogen schauen bzw. mit den Angehörigen sprechen. Mit etwas Glück findet man da etwas, was man reaktivieren kann.
Er nimmt gern etwas auseinander? Kann man sich das nicht zunutze machen? Falls keine Verletzungsgefahr bei ihm besteht, kann man ihm vielleicht kaputte Geräte, Möbel o.ä. geben, welches er mit den Händen oder einem Schraubendreher zerlegen kann.
Einfach mal verschiedenes anbieten und beobachten, wie er damit umgeht!
Ansonsten: jede Möglichkeit zur Bewegung nutzen: ihn zu  Spaziergängen mitnehmen, Treppen steigen statt Fahrstuhl fahren...

Kannst ja mal berichten, ob etwas dabei war, was bei ihm hilft.

Liebe Grüße
Petra Ahmad

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22 Nov. 2009 11:38 #7153 von talie
Hallo Violet, hallo Petra,
ich fand eure beiden Texte sehr interressant.  Auch ich habe noch wenig Erfahrungen mit BW wie Violet ihn beschrieben hat. Was du, Petra, dazu geschrieben hast wahr sehr informativ für mich. Gerne möchte ich das weiter verfolgen. Wäre schön Petra, wenn du die weitere Entwicklung was du ausprobiert hast etc. schreibst und vieleicht kann man sich bei der Petra noch ein paar Tips abholen.
LG Talie

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24 Nov. 2009 11:58 #7162 von katharinchen
katharinchen antwortete auf schwieriger Bewohner - tägliche Betreuung
Ich kann hier nur von meinem Daddy reden, der auch sehr aktiv ist und gerne Dinge auseinandernimmt. Er kommt allerdings auch mal zur Ruhe und ist nicht den ganzen Tag damit beschäftigt, umzudekorieren  ;D

Hab die Erfahrung gemacht. dass es hilft, in einer aktiven Phase eine längere und vielleicht schwierige "Aufgabe" zu geben oder etwas anzubieten, woran sich die Person austoben kann.

Viele Wege führen zum Gipfel eines Berges, doch die Aussicht bleibt die gleiche.

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