Hallo baximaus!
Ich empfehle dir, das Augenmerk zunächst einmal auf Biografiearbeit zu richten.
Das geht in der Gruppe ebenso wie in Einzeltherapie und du lernst auf diese Weise die Bewohner erst einmal kennen, was ja als die wichtigste Grundvoraussetzung für die weitere Therapieplanung gilt!
Biografisch arbeiten kannst du auf verschiedene Weise, wobei die gestellten Fragen die Teilnehmer jeweils in ihre eigene Biografie zurückführen um im Anschluss die "Brücke" zur Gegenwart zu schlagen, z.B.:
- über das gemeinsame Hören von Musik:
"Wie oft und zu welchen Gelegenheiten hat man früher Musik gehört? Wie
ist es heute?"
"Welche Musik war damals modern? Was hören Sie heute gern?"
"Haben Sie ein "Instrument gelernt? Könnten Sie heute noch spielen?"
"Haben Sie Tanzen gelernt?"
usw.
- über das gemeinsame Betrachten von Bildern / Fotos:
"Erinnern Sie sich an Einzelheiten Ihrer Hochzeit?"
"Welche Ereignisse hält man gern in Bildern fest?"
"Woran denken Sie gern zurück, wenn Sie Ihre alten Fotos ansehen?"
"Auf Ihren Fotos sieht man, wie die Mode damals aussah...wie hat sich die
Mode im Laufe der Jahre verändert?"
usw.
- über das gemeinsame Anschauen alter Gegenstände von früher, z.B.
einerSchiefertafel:
"Hatten Sie auch so eine Schiefertafel?"
"Mögen Sie von Ihrer Schulzeit erzählen?"
"Erinnern Sie sich an Ihre Schulkameraden?"
"Welche Schulfächer wurden früher unterrichtet?"
"Früher waren die Lehrer oft streng - was glauben Sie, wie ist es heute?"
"Heute schreibt man in lateinissher Ausgangsschrift. Welche Schrift
benutzte man früher? Können Sie heute noch in Sütterlin schreiben?"
usw.
- über Alltagssituationen, z.B. Kaffeetrinken:
"Heute gibt es jeden Nachmittag Kuchen zum Kaffee...wie war das in Ihrer
Jugend?"
"Heute kocht man den Kaffee mit der Kaffeemaschine...wie wurde er
früher zubereitet?"
"Gab es mal eine Zeit, in der Kaffee knapp war? Falls ja; wie hat man sich
beholfen?"
"Heute gibt es unzählige Kaffeesorten...wie war das früher?"
usw.
Wenn man erst einmal "den Dreh" raus hat, ergeben sich im Alltag unzählige Möglichkeiten, biografisch zu arbeiten.
Du wirst feststellen, dass diese Arbeit nicht nur dir viel Spaß macht und dein Verständnis zu den Lebensumständen der damaligen Zeit prägt, sondern auch die Bewohner und insbesondere dementiell Erkrankte hier in ihrer Kompetenz gestärkt werden. Die Formulierung und die Reaktivierung von Langzeitgedächtnisinhalten wird erhalten, der Bewohner fühlt sich ernstgenommen und in seiner Persönlichkeit angenommen und gewertschätzt.
Wichtig ist zu beachten, dass niemand zur Antwort gedrängt wird und aufkommende Emotionen (z.B. Wut, Trauer, Scham...) aufgefangen werden.
Das biografische Arbeiten daher auch immer nur mit einem positiven Gefühl beenden und nicht grad dann, wenn der Bewohner sich beispielsweise seiner erlittenen Verluste erinnert und weint.
Wenn du noch Tipps hierzu bauchst frag einfach!
Liebe Grüße
Cassio