Hallo loli,
ich arbeite mit einer Therapiepuppe, die bei Demenzerkrankten hohen Zuspruch findet.
Meine Puppe ("Sophie") hat einen eigenen Charakter: sie ist ganz schön frech und vorlaut und überhaupt nicht auf den Mund gefallen.
Mit meiner linken Hand bewege ich den Mund, mit meiner rechten ihre rechte Hand. So kann ich - bzw. Sophie - den Bewohnern die Hand geben.
Gespräche entwickeln sich ganz spontan, ich grefe das auf, was von den Bewohnern kommt und Sophie vertieft das mit ihrer kindlich-neugierigen Art.
Bei antriebslosen Bewohnern bittet Sophie schon mal um Hilfe, z.B. beim Schuhe zubinden oder Jacke ausziehen, weil es doch "sooo warm hier ist!"
Mit einer lebendigen Mimik und Gestik der Therapiepuppe sind Lacher immer vorprogrammiert.
Ich achte dabei darauf, dass ich Sophie so auf meinen Schoß setze, dass ich der Puppe ins Gesicht schauen kann und auch mit ihr sprechen kann. So entsteht eine Interaktion zwischen mir, der Puppe und dem Bewohner/der Gruppe, z.B. "Aber Sophie! Du kannst doch Fr. B. nicht solche Löcher in den Bauch fragen!" und Sophie quittiert meine Worte mit einem beschämten Gesichtsausdruck und dem Zeigefinger im Mund wie man es bei einem Kindergartenkind sehen kann.
Verschiedene Kleidungsstücke eignen sich prima, um eine Interaktion zwischen Therapiepuppe und Bewohner einzuleiten. Auf dem Flohmarkt findet sich passende Kleinkindermode, die dem Bewohner viel feinmotorisches Geschick abverlangen. Darüber hinaus animieren die roten langen Zöpfe zum streicheln und Zöpfe flechten.
Sophie ermutigt auch schon mal zum Trinken oder essen, indem sie es vormacht bzw. den Löffel greift und Speisen anreicht.
Bei der Gymnastik kann Sophie vormachen, wie beide Hände in die Höhe gehoben werden sollen und macht andere Bewegungen vor. Zu diesem Zweck schlüpfe ich statt mit meiner linken Hand in den Mund nun in ihre linke Hand und kann so beide Arme bewegen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich in den meisten Fällen gar nicht mehr wahrgenommen werde, der Focus der Bewohner liegt vollkommen auf der Therapiepuppe. Ihr werden mitunter auch Dinge erzählt, die ich auf herkömmliche weise nicht hervorlocken könnte. Positive gefühle erleichtern die Formulierung, das merke ich im Einsatz mit der Puppe ganz besonders.
Die Puppe hat einfach einen hohen Aufforderungscharakter, animiert selbst ansonsten mutistische Bewohner zu Äußerungen und zaubert immer ein Lächeln ins Gesicht. Sie bewertet nicht sondern nimmt den Bewohner so an, wie er ist.
Orientierte Bewohner hingegen fühlen sich schlichtweg vera... oder auf Kindergartenniveau herabgesetzt, daher antworte ich nur auf interessiertes Nachfragen wenn ich mit Sophie auf dem Arm über den Wohnbereich gehe.
Neben Sophie habe ich auch einen Bär, einen Affen und einen Hund, die auch sehr gut ankommen, aber nicht so ein breites Anwendungsprektrum aufweisen. Der Hund z.B. bellt 3 verschiedene Lieder, animiert zum raten und mitsingen.
Demnächst hole ich mir noch eine männliche Therapiepuppe, die dann Handküsse verteilen und ganz Gentleman sein kann.
Liebe Grüße,
Cassiopeia