Hallo tequila,
Eine Menge Fragen, deren ausführliche Beantwortung hier sicher den Rahmen sprengen würde.
Daher nur in Kürze zu deinen Fragen:
Zu1: Wird bei jedem Bewohner eine Befunderhebung gemacht (vorgefertigte)?
Die ersten Jahre habe ich immer noch einen Befund erstellt (mittels selbst ergänztem „Ergotherapeutischen Merkmalkatalog", einfach mal nachgooglen), mittlerweile aber nicht mehr zumal das weder von mir gefordert ist noch ich die Zeit dafür habe. Denn sonst säße ich nur noch im Büro an den Befunden und sobald ich den letzten von 72 fertig habe müsste der erste schon längst wieder evaluiert werden.
Klar, der MDK oder die Heimaufsicht freut sich, tolle Befunde zu lesen, aber es ist unrealistisch als einzige Ergotherapeutin ständig auf dem neuesten Stand zu sein.
Von mir gefordert wird folgendes geriatrische Assessment:
- Biografiebogen
- Mini Mental State Examination in Kombination mit dem Uhren- Ergänzungs-
Test
(mind. 1x jährlich bei allen Bewohnen, bei Verdacht auf Verschlechterung auch öfter)
- Cohen-Mansfield Agitation Inventory (in Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal)
- AEDL´s nach Monika Krohwinkel, Punkt 9: „Sich beschäftigen können“, 1x monatlich evaluieren (schaff ich nie!)
Zu 2: Wie plant ihr die Zielsetzung, Grobziel, Feinziel etc. ?
Eine Zielsetzung muss ich nur beim AEDL-Punkt 9 formulieren.
Das Rehaziel ist bei jedem Bewohner das gleiche: „Größtmöglicher Erhalt der Selbständigkeit, Motorik und Lebensqualität“, bei neu aufgenommenen Bewohnern: „Soziale Integration im Pflegeheim“.
Feinziele plane ich nur im Kopf und evtl. in Absprache mit Praktikanten, weil die Feinziele ja abhängig von der Aktivität immer wieder variieren.
Desweiteren nehme ich 4x wöchentlich an Fallbesprechungen mit den Pflegekräften teil und da werden für den jeweiligen Bewohner Ziele und die daraus resultierenden Maßnahmen festgelegt.
Zu 3: Wie macht Ihr eure Doku`s dazu, habt Ihr vorgefertigte Doku´s?
Üblicherweise hat jede Einrichtung fertige Dokumentationsbögen, die sie kostenpflichtig bestellt. Es gibt da unterschiedliche Bögen, z.B. „Mobilisierung und Aktivierung“, mit Spalten zum Eintragen der Kürzel und des Handzeichens.
Ich habe mir meinen Dokumentationsbogen selbst angefertigt und auf unsere Einrichtung bzw. meine Angebote zugeschnitten und diesen von der QM-Beauftragten freigeben lassen.
Zu 3: Wie oft schreibt Ihr Berichte?
Was für Berichte meinst du denn? Wenn du den Verlauf meinst, den trägt man auf der Rückseite des Dokumentationsbogens ein…bei mir theoretisch 1x im Monat, aber das schaff ich nie.
Zu 4:Wird nach Pflegstufen unterschieden?
Nein, die Unterscheidung findet zumindest bei uns nach den kognitiven Leistungen und dem Verhalten statt, die man unter anderem anhand der Ergebnisse des Mini Mental Status Tests und dem Cohen erkennt.
Zumindest habe ich aufgrund dieser Ergebnisse die Bewohner in homogene Gruppen unterteilt; so habe ich z.B. 4 x in der Woche Gedächtnistraining: mit 4 geschlossenen Bewohnergruppen, wo die Teilnehmer von den kognitiven Leistungen her zusammenpassen.
Zu 5: Wie plant Ihr die Einzel/Gruppentherapien ?
Diese Frage ist mir viel zu pauschal gehalten, was speziell möchtest du wissen?
Zu 6: Habt Ihr euch einen Wochenplan erstellt?
Ein fester Wochenplan ist ein Muss, um den Bewohnern und auch den Angehörigen Struktur zu geben! Der Bewohner kann sich besser drauf einstellen, weitere Termine (z.B. Frisör, Spaziergänge, …) darauf abstimmen und letztendlich dient der feste Wochenplan auch der zeitlichen Orientierung.
Auch Angehörige profitieren vom Wochenplan und können Besuche evtl. besser drauf abstimmen und platzen mir nicht immer in die Gruppen-
aktivität.
Orientierte Bewohner bekommen von mir einen Wochenplan ausgehändigt, zudem hängt der Wochenplan im Wohnbereich aus.
Auch die Pflegekräfte haben einen Wochenplan bekommen, da sie ja entscheidenden Einfluss darauf haben, ob der Bewohner bis zu Gruppenbeginn mit der Grundpflege fertig ist und evtl. im Rollstuhl mobilisiert wurde.
Einzeltherapien mache ich zwischendurch ohne festen Zeitplan, also immer dann wenn es sich grad anbietet und der Bewohner seine "Hochphase" hat.
Zu 7: Was ist wenn ihr aus irgendwelchen Gründen euren Wochenplan nicht einhalten könnt?
Dann überlege ich Alternativen:
- kann eine meiner 1-Euro-Kräfte oder Praktikanten das Angebot übernehmen oder stattdessen etwas anderes anbieten? (natürlich nach gründlicher Einarbeitungsphase!)
- Können Ehrenamtliche einspringen (geht natürlich nur, wenn ich früh genug Bescheid weiss)
- Kann ich das Angebot zeitlich verschieben oder muss ich es ganz ausfallen lassen?
Auf jeden Fall werden die Bewohner informiert: per Aushang oder mündlich, evtl. durch einen kleinen Ausdruck zum nachlesen.
Sehr ungern nehme ich Verschiebungen im Wochenplan vor, da es die Bewohner immer sehr durcheinander bringt.
Na, Fragen ausreichend beantwortet?
Liebe Grüße,
Cassiopeia