Große Gruppe-allen gerecht werden?

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26 Nov. 2007 20:19 #1974 von Lusinchen
Große Gruppe-allen gerecht werden? wurde erstellt von Lusinchen
Ich arbeite seit kurzem in einem Altenheim und habe vor-und nachmittags je eine Gruppe. Vormittags sehr viele (20-22 Pers.), nachmittags 15-20. Dabei sind auch viele schon sehr Demente, die kaum noch sprechen und wo feinmotorisch auch kaum was geht. Ich wollte jetzt mit den Fitteren etwas aus Goldfolie und Pappe basteln, (selbst da muß man den meisten helfen), aber was tun mit den Schwerdementen? Ich hab oft das Gefühl, ich müßte mich zerreißen. Habt Ihr auch solche Probleme?Ich würde mich freuen, von Euren Erfahrungen zu hören.
Gruß Lusinchen

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27 Nov. 2007 21:10 #1980 von Anonymous
Anonymous antwortete auf Große Gruppe-allen gerecht werden?
Hallo Lusinchen,

zunächst einmal:
"Allen Menschen recht getan, ist ein Kunst, die niemand kann!"

Besonders in der Betreuung und Aktivierung demenziell veränderter Menschen gilt neben diesem leitsatz auch: "Je schwächer die Teilnehmer, umso kleiner die Gruppe." Selbst 15 Personen als unterste Grenze für dich (wer setzt denn so was fest?) sind viel zu viel! Schraube deinen eigenen Anspruch runter!

Hast du die Möglichkeit, aus diesen Großgruppen 2-3 kleinere Gruppen zu machen, evtl. mit der Unterstützung durch Ehrenamtliche, 1-Euro-Jobber oder Praktikanten?
Denn dein Engagement in allen Ehren...zerreißen kannst du dich nicht!

Insbesondere beim Handwerklichen Gestalten mit demenziell erkrankten Menschen braucht man oft eine 1:1-Betreuung. Evtl. können dir auch einige "fitte" Bewohner unterstützend zur Hand gehen?
In der Aktivierung demenzerkrankter Bewohner handhabe es oft so, dass ich einen Bewohner links neben mir sitzen habe, einen rechts und einen gegenüber...und damit bin ich - was das handwerkliche Gestalten  angeht - mehr wie ausgelastet, weil eben viel Unterstützung notwendig ist und man seine Antennen zu allen Seiten ausstrecken und auf alles gefasst sein muss.

Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, ob handwerkliches Gestalten mit so einer großen Gruppe wirklich das richtige Mittel der Wahl ist?

Was hingegen auch in Großgruppen mit dementen Teilnehmern immer gut geht: Lieder singen, gemeinsam musizieren, Gedichte ergänzen, Geräusche hören, Kommunikations- und Ratespiele wie "Vertellekes" oder "Sonnenuhr", einfache Bewegungsübungen z.B. mit Seidentüchern und einem Ball oder Luftballon.

Sollte es nicht möglich sein, die große Gruppe zu splitten, darfst du kein schlechtes Gewissen haben, nicht jedem gerecht geworden zu sein...denn zuschauen und dabeisein zu dürfen ist für viele Bewohner und Demenzkranke auch befriedigend!

Liebe Grüße,
Cassiopeia

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27 Nov. 2007 21:34 #1982 von Lusinchen
Lusinchen antwortete auf Große Gruppe-allen gerecht werden?
Danke, liebe Cassiopeia, Deine Antwort hat mir gutgetan, zumal ich heute(an meinem 6. Tag nach Arbeitsbeginn in der Einrichtung)schon völlig frustriert bin,da ich das Gefühl habe ,ich muß mich zwischen Küchenaufgaben,Essenreich-und Abräumaufgaben sowie Holen,Wegbringen der Bewohner u.Führen von 15 Trink-u.Ernährungsprotokollen.Säubern von Kaninchenkäfigen,Planen der 2 täglichen Gruppen zerreißen.Ich frage mich langsam,ob das überall so ist!Dabei war ich so froh,einen Job zu finden!
Vielen lieben Dank für Deine Anregungen!
Grüße von Lusinchen

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03 Dez. 2007 23:57 #2026 von E.P.
Hallo

Ich kann die Problematik gut nachvollziehen. Auch in unserer Einrichtung möchte ich gerne allen gerecht werden. Das dies durch eine große gemischte Gruppe nur in begrenztem Umfang möglich ist und mit den o.g. Möglichkeiten muss sowohl das Pflgepersonal als auch die Heimleitung ersteinmal verstehen. Den Klienten hilft es wenig wenn sie in einer gemischten Gruppe ständig über -oder unterfordert werden. DIeses seinen Kollegen und Chefs begreiflich zu machen und Alternativen aufzuzeigen ist wohl auch eine der größeren Herausforderungen im Bereich Geriatrie.


Liebe Grüsse

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04 Dez. 2007 13:07 #2028 von Maia
Hallo Lusinchen,

ja, ich finde diese Gruppengröße auch viel zu groß!
Ich habe in der Bewegungsstunde für relativ fitte BW mit dieser TN Zahl bereits Mühe, die TN alle im Auge zu behalten. Habe da jetzt immer eine Ehrenamtliche dabei, die notfalls jemanden auf die Station zurückbringen oder auf die Toilette bringen kann.
Aus meiner Erfahrung weiß ich mittlerweile, dass eine überlegte Gruppenzusammensetzung und -größe für den Erfolg der Angebote und für mein eigenes Befinden, das ja auch wichtig ist,  sehr bedeutend sind.
Das Gefühl, " es zerreißt mich" zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen in einer zu heterogenen Gruppe", die Wahrnehmung, dass einige TN über- oder unterfordert sind, dass manche "aussteigen", desinteressiert und passiv dasitzen empfinde ich als sehr belastet. Nach so einer Stunde ist  man zwangsläufig erschöpft und unzufrieden.

Also mein Plädoyer für die Teilung der Gruppe und eine bewusste Zusammensetzung nach Ressourcen und Interessen! 
Alles Liebe
Maia

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08 Dez. 2007 14:16 #2072 von bördi
bördi antwortete auf Große Gruppe-allen gerecht werden?
Hallo alle zusammen ,

das mit der Gruppengröße kenne ich zugute.Auch das man an verschiedenen Stellen gleichsietig sein möchte.

was nun mal nicht geht. Ich denke selbst wir sollten Kleine Schritte machen.

Ich habe damit angefangen, wiel ich abends nur noch kaputt war.

Es ist wichtig für die Selbsthygiene!!!!

Ich habe auch eine gruppe von zwnazig bew am vormittag. Ich habe anfnags gedact wie kann ich jeden einzelnen aktivieren. nun es geht nicht immer aber manchmal kommt es vor das ein ganzer stille aufeinmal was sagt wo die "fitteren" nichts wußten und das sind meine Lichtblicke.Ich finde es mittlerweile okay wenn der eine oder andere zuguckt oder schläft.

Ich habe einen Bew. der schläft immer bei de Beschftigungsangeboten. in dieser zeit hat er seine Ruhe und das is ihm wichtig. also warum das nicht zualssen.
Sollte nicht auch ein ziel  sein das der Bew. sich wohl fühlt. und wenner sich dann wohl fühlt mit schlafen is dies doch okay.


Ich denke wir sollten mehr auf uns aufpasseb, ich denke wir arbieten oft ganz schön viel für die bew und merken manchmal nicht das wir slebst auch mal einen gang zurück schlaten sollten, oder wie sieht ihr das ganze ?

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25 Dez. 2007 03:00 #2213 von Lusinchen
Lusinchen antwortete auf Große Gruppe-allen gerecht werden?
Hallo bördi, inzwischen sehe ich es genauso, wenn wir nicht für uns selber sorgen, können wir nicht für andere sorgen. Ich habe mich in den letzten Wochen auch total übernommen und bis abends um 10 noch vorbereitet für den nächsten Tag (weil ich ja auch gerade erst angefangen hab zu arbeiten) ,aber ich habe gemerkt, daß ich schon auf dem Zahnfleisch ging und versuche jetzt ,zwischendurch einfach mal Sachen zu machen, die keine große Vorbereitung erfordern wie z. B. Vertellekes oder auch mal ein Video (Märchen) gucken. Das Wichtigste ist doch auch ein liebevoller, wertschätzender Umgang mit den Bewohnern.
Grüße an alle Lusinchen

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27 Dez. 2007 02:11 #2221 von robins
robins antwortete auf Große Gruppe-allen gerecht werden?
Hi Lusinchen,

ich schließe mich meinen Vorschreibern an.Deine Gruppen sind zu groß und du kannst dann nicht allen gerecht werden.
Ich kenne das Spiel, ich arbeite in einem großen Heim.Man möchte jedem gerecht werden, kannst du aber sowieso nicht.Ich habe Angehörige, die quaken mich schon an wenn die Mutter einmal nicht in meiner Gruppe war, weil sie sich nicht fühlte.Ich führe seid Jahren zusätzlich Buch, wen ich in meiner Gruppe hatte.Und die Dementen habe ich inzwischen jeweils als Kleingruppe(was ich erst nie wollte)weil sie von den fitten so nieder gemacht werden, so dass sie sich kaum noch trauen piep zu sagen.
Vorteil einer kleinen Dementengruppe,du kannst dich deren Tempo besser anpassen,individuell auf jeden eingehen, und wirst dich wundern was in manchem BW noch so steckt, was dir in der Großgruppe vielleicht nie auffallen würde.Und das Thema mit dem ständig irgendwo einspannen wollen(weil die anderen Mitarbeiter näml. kein Bock haben)kenne ich auch.
Ich springe nämlich mal wieder für Kollegen in der Pflege, meinen eigenen Kollegen, meinem Zivi ein, die sich schön über Weihnachten einen Schein geholt haben.Und das ich dieses um 2 Uhr7 schreibe hat ja einen Grund,näml. dass ich vor Kreuzschmerzen nicht mehr schlafen kann und völlig gestresst bin.Setz dem Ganzen gleich einen Riegel vor.Ich habe mir auch für das nächste Jahr einige Vorsätze gemacht die ich ändern will.

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27 Dez. 2007 10:15 #2223 von lamkat
lamkat antwortete auf Große Gruppe-allen gerecht werden?
Komme leider auch nicht von einer Teilnehmerzahl von 20 nicht weg. Egal wie ich es drehe. Am Anfang war die Gruppe sehr gemischt. Mittlerweile beanspruche ich die "Grogruppe" für die fitteren mit ca. 3 Plätzen für schwächere (hat was mit den Angehörigen zu tun-brauch ich nicht weiter ausführen,oder?).
Die schwächeren gebe ich in die Hände meiner Euro-Jobber... . Gebe Themen und Materialien zur 10min Akt. vor oder zum Spazieren... .
Andersrum wäre mir lieber. Aber ich kann schlecht 20Mann einer "ungelernten" Kraft anvertrauen.
Diese Lösung schont mich ein wenig,da ich auch die anderen Bewohner in guten Händen weiß- aber 20Mann 2x täglich...
Dazwischen Mahlzeiten, Protokolle, Toilette....
Von Krankheitsvertretung gar nicht reden!!!

Aber es wird sich etwas ändern. Immer mehr setzen die Heime auf professionelle Ergotherapie, um sich gegenseitig auszustechen. Also Kopf hoch.

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