Musikgruppe für schwer- und schwerstdemente Personen

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05 Nov. 2007 12:38 #1779 von M.K.
In unserer Einrichtung findet z.Z. regelmäßig eine Singgruppe für die Bewohner statt (Volkslieder & Liedtexte). Leider spricht diese Gruppe nicht die stärker pflegebdürftigen Bewohner an und wir suchen nach einer Möglichkeit, diese mit einfachen Instrumenten, Melodien, etc. zu aktivieren.
Ich wäre für Anregungen sehr dankbar!!!

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06 Nov. 2007 21:14 #1807 von Anonymous
Hallo M.K.

Ein kleiner Denkanstoss ohne dir auf den Schlips treten zu wollen:

Wie beurteilst du, dass die Singgruppe die stärker pflegebedürftigen Bewohner nicht anspricht?
Weil dir die entsprechende Reaktion (z.B. mitsingen) des Bewohners fehlt?

Es mag ja sein, dass ein Aussenstehender den Eindruck erhält "das ist nichts mehr für diesen Bewohner"....aber wer kann beurteilen, welche Reaktionen sich im Inneren des Bewohners abspielen?

...ob er es beispielsweise genießt, einfach nur dabeisein zu dürfen anstatt sich ausgeschlossen zu fühlen?

...ob er der Musik aufmerksam zuhört und Erinnerungen an früher wachwerden, die er jedoch nicht mehr verbalisieren kann?

...ob er Freude empfängt beim Klang der Musik?

...ob er sich endlich mal wieder geborgen und angstfrei fühlen kann?

Aktivierung heißt doch nicht automatisch, dass der Bewohner aktiv werden muss! Passiv sein (zu dürfen) kann höchst befriedigend sein!!!

Liebe Grüße,
Cassiopeia

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07 Nov. 2007 07:34 #1810 von M.K.
Vielen Dank für deinen Beitrag!
Diese Überlegung habe ich auch schon angestellt.
Meine Chefin hat unser Team jedoch damit beauftragt nach weiteren Alternativen (in Richtung MUSIKTHERAPIE), als "nur" einer (aktiven) Gesangsgruppe zu suchen.
Ich habe schon versucht das Internet nach solchen Beispielen zu durchforsten. Hinzu kommt auch, dass ich ziemlich unmusikalisch bin und leider auch keiner von uns ein Instrument spielen kann.
Das Schwierige ist ja, dass sich die Bewohnergruppe, welche wir ansprechen wollen auch nicht dazu äußern kann,was gefällt.

Man sieht, nicht umsonst ist Musiktherapie eine spezielle Ausbildung!

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07 Nov. 2007 10:51 #1815 von Nadja Busch
Hallo M.K.
hast du schon in das Buch "Musik erleben und gestalten mit alten Menschen" von Heidrun Harms (Autor) und Gaby Dreischulte (Autor) geschaut?

Da gibt es von Anregungen wie man mit Instrumenten, Gesang, Bewegung und der Erinnerung/Gespräche rund um die Musik (auch Klassik) Gruppenstunden gestalten kann.

Ob es das ist was du suchst weiß ich nicht - denn das Buch richtet sich nicht speziell an demenziell erkrankte Menschen, sondern ist eher allgemein gehalten.

In meinen Augen könnte man eine art Musikkreis gründen in dem man Klassik und andere Musik rhythmisch untermalt, dieser einfach nur lauscht - sich anschließend darüber austauscht oder einfach mal selber Musik macht.

Musik machen beginnt für mich da, wo ich einen Rhythmus gebe und dieser mit harmonischen Klängen untermalt wird. Dazu kann man z.B. ein Xylophon nehmen und gewisse Klangvarianten wegnehmen - so das egal welchen Ton man trifft es sich immer Harmonisch anhört. Um das umzusetzen muss mann kein Instrument spielen können. Mann muss nur den Mut haben sich mit der Gruppe auszuprobieren.

Des weiteren würde ich immer eine gemischte Gruppe für so ein Projekt wählen. Wenn ich mit meinen Bewohnern Singe hört sich das auch manch mal super schief an, aber es hat allen Freude gemacht und zeigt das man nicht immer perfekt sein muss um Spaß zu haben.

In diesem Sinne viel Erfolg bei der Suche nach dem geeigneten Therapieinhalt.

Nadja

"Damit das Mögliche entsteht,
muss das Unmögliche versucht werden."
                                          (Hermann Hesse)

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07 Nov. 2007 17:17 #1818 von lamkat
Stehe vor dem gleichen Problem. Bin gerade dabei zu erforschen, wie unterschiedliche Musikrichtungen sich auswirken (Klassik, Entspannung, Volkslieder und sogar Rock'n Roll).
Instrumente schwierig, da diese nicht als solche erkannt werden und z.T. weggelgegt oder zweckentfremdet werden.Lasse diese nun gleich ganz weg.
Rhythmus gebe icg durch klatschen mit meinen Händen oder geführte Hände) vor oder durch Klopfen auf Oberschenkel bei Bewohner.
Sanfte Bewegungen bei Entspannung auch.
Aber sonst versuche ich häufig einen "fitteren" Bew. dazuzuholen, der mitsingt,mitbewegt...

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10 Nov. 2007 10:35 #1831 von bördi
Hallo zusammen ,

was ihr hier beschreibt, sieht bei mir auch so aus. Habe mit meinen Bewohner Martinslieder gesungen , von den zwanzig die morgens bei mir sind, haben grade mal drei aktiv mitgesungen.

wo bei ich sagen muss , ich bin keine sängerin und für mich war das echt schwer.

nun ja habe mich reflektiert und geschaut wo ich was verändern kann, aber was ich festgestellt habe, ist da seinige bweohner mir gesagt haben, das sie kein interesse am singen haben und das auch nicht möchten.

PDL wiederrum meinte singen ist wichtig, was ich auch verstehen kann.

Hatte eine Erwartung das wohl alle richtig mitsingen würden und das ging nicht mit der realität konform.

eure ideen hier finde ich recht interessant und irgendwie beruhigt es mich das anderswo das gleiche bild herrscht.


Die snioren liegen ja auch im Wandel der Zeit, vielleicht sind diese üblichen Lieder gar nimmer aktuell. Wie zb. eine Bewohnerin hört sehr gerne die Beatles (obwohl sie kein english kann wie sie sagt) das mann vielleicht auch mal mehr in eine andere musikrichtung geht . was denkt ihr?

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01 Dez. 2007 18:03 #2009 von Pepe
Hallo!

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Bewegungen gemacht!

Ich kann sehr gut singen, deswegen habe ich da keine Probleme, aber ich habe Kollegen, denen das schwerer fällt. Wir haben deswegen themenbezogene CD´s mit Liedern erstellt (Frühling, Sommer... Seelieder, Mundart....). Zum Schunkeln, mitklatschen, mitsingen - auswendig oder mit Text. Das hilft den "Nichtsängern" mutiger zu werden und animiert auch! bei Schwerstdementen habe ich gute Erfahrungen mit rhythmischem Streichen von Rücken und Armen gemacht, auch sanftes Wiegen kommt gut an.
Ich finde, all das gehört auch zum Thema Musik.
Gruß
Pepe

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20 Dez. 2007 19:28 #2192 von robins
Ich habe einmal in der Woche eine Musik und Rhythmikgruppe.Ich habe viel ausprobiert und mich dem Tempo der BW angepasst, ständig die Methode geändert.Schwerstdemente Menschen bekommen meist Psychopharmaka, macht also müde.Außerdem ist der Tages Nachtrhythmus gestört.Wenn ich merke, dass die BW in meiner Stunde in ihre Welt driften, mache ich Aktion.Mit Bewegungsliedern z.B. teils aus ihrer Kindheit.Lieblingsbewegungslieder sind:Zeigt her eure Füße.....,kommt ein Vogel geflogen, mein Hut der hat 3 Ecken, ein kleiner Matrose, Brüderchen komm tanz mit mir, das Putzlied.....ect.In der Rhythmikgruppe spielen wir einfach mit Trommeln, Klangstäben und alles was laut ist nach dem 3/4 Takt.Wie Schneewalzer, das Kufsteinlied............Mein Tipp:Seid mal mutig und probiert einiges aus.Es muss nicht immer die Fachlektüre sein.

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