1. Ich weiß, wie Fernsehen & Co. gemacht wird, daher ist Vor-Ort-Betrachtung besser, aber dann wäre ich länger dort und würde mich nicht nur nach den für mich ausgesucht präsentierten Ergebnissen orientieren

2. In "meiner" Einrichtung bin ich täglich, habe versch. Hunde, arbeite therapeutisch (nicht nur Besuchshund).
3. Wenn künstlich, dann: Therapiepuppe reicht aus - Vorteil: ist günstiger, kann man mehrere davon haben
4. Natürlich hat ein E-Gerät ein Motorgeräusch inkl. Vibrationen.
5. Ich gehe in die Tiefe und bleibe nicht an der relativen Oberfläche - vllt. ist darin die Ursache meiner Skepsis zu finden.
6. habe in einem anderen Forum auch Gegenwind bekommen, stelle meine Antwort hier auch rein, weil dann einiges deutlicher wird:
Vielleicht habe ich mich ungeschickt für Sie ausgedrückt. Dann versuche ich es eben noch einmal:
"veräppeln" bezog sich NICHT auf die Intention des Pflegenden, sondern auf das Empfinden des Betroffenen. Demenziell eingeschränkte Menschen sind sehr feinfühlig und können durchaus "echt" von "unecht" unterscheiden.
Es mag sein, dass zunächst ein Erfolg dahingehend erzielt wird, dass dem Augenschein nach der Betroffene wie auf ein Lebewesen reagiert, doch auf Dauer ist die Täuschung nicht aufrecht zu erhalten. Der Roboter ist dann wie jede andere Handpuppe ein Spielzeug und wird auch so angenommen (sicherlich sind zu meiner These Langzeitstudien notwendig, doch auch diese sind mit Vorsicht zu genießen, denn das Ergebnis wird unbewusst beeinflusst durch die Grundhaltung der Tester - Interpretation des Verhaltens usw.).
Anderes Beispiel:
wenn ein gesunder erwachsener Mensch solch ein Spielzeug sieht, ob nur aus Plüsch oder auch mit Motor, wird er schon vom Kindchenschema angesprochen. Dem kann er sich nicht entziehen. Dies löst wiederum den Drang zum Pflegen aus. Als aufgeklärte Menschen wissen wir natürlich, dass es eine Puppe ist und widerstehen rational dem Pflegegedanken. Dennoch haben viele Menschen ihren alten Teddy, ihre alte Puppe behalten, manche knuddeln sie und reden mit ihnen noch heute (wenn auch heimlich

). Unsere Gefühle, die wir rational verwalten, lassen sich aber nicht weg"rationalisieren".
Jetzt haben wir einen demenziell eingeschränkten Mensch. Das Programm läuft ebf. so ab. Das wissen wir und konstruieren darauf aufbauend Hilfsmittel. Das ist gut!
Der "schlechte" Teil dabei: wir Helfende, ob Arzt, Betreuungskraft, Pflegefachkraft, vergessen dabei leider zu oft, dass der demenziell eingeschränkte Mensch immer noch seine Persönlichkeit hat (ja, ich kenne die Diskussionen um Persönlichkeitsveränderungen und: "was ist überhaupt Persönlichkeit"). Er hat zudem auch noch seine Erfahrungen und sein Wissen - ja, auch sein Wissen! Vordergründig scheint Vieles überhaupt nicht mehr vorhanden zu sein (z.B. Ablauf Nahrungsaufnahme), aber wenn man hinter die Kulissen schaut, erlebt man erstaunliche Dinge!!!!
Glauben Sie mir: auch demenziell eingeschränkte Menschen können sich "veräppelt" fühlen! Wer in seiner Äußerungsfähigkeit noch nicht so weit in sich zurückgezogen hat, macht dies sogar verbal deutlich (siehe Trailer: "Ich weiß nicht"), andere handeln mit Gesten, Abwehrschlagen, Aggressionshandlungen aller Art, aber auch indem sie sich noch weiter in sich zurückziehen.
Die Kommunikationsfähigkeit ist noch da, aber anders. Man muss "lesen lernen", also auch minimalste Zeichen erkennen können.
Und hier kommen die Hunde ins Spiel. Sie kommunizieren nonverbal, sind extrem auf Körpersprache ausgerichtet, können Stimmungsveänderungen "riechen" bzw. erkennen Unterschiede in den elektrischen Spannungen, besser als jeder noch so feinsinnige Mensch. Dabei werten sich nicht und machen sich auch keine Gedanken um Thesen (Kinder ebenso!), sind also frei von dieser Beeinflussung. Solch ein frei agierender Hund mit hoher Menschenfreundlichkeit und hoher Bereitschaft, mit dem Mensch an sich zu kommunizieren, sich auf ihn einzustellen, wird auch als kommunizierendes Lebewesen wahrgenommen (erkannt), ein Roboter, eine Puppe nicht (nur als Momentaufnahme), aber da sind andere Puppen billiger und haben kein störendes Motorgeräusch, das vllt. nicht vom Personal, aber auf jeden Fall vom Betroffenen wahrgenommen wird (und wenn's nur über die Vibration ist).
Es ist eine kognitive Leistung, die man demenziell beeinträchtigten Menschen nicht zugesteht, da zu komplex. Damit nimmt man ihm aber auch ein Stück Menschenwürde, auch wenn dies natürlich nicht beabsichtigt ist!
Übrigens: dass der Roboter in Japan so einen großen Erfolg hat, liegt schlicht an der Soziokultur. Abgesehen vom Stellenwert der Technik und der Hygiene müssen sich die dort lebenden Menschen immer sehr stark kontrollieren, das Gesicht wahren. Sie können sich gefühlsmäßig nur in fragwürdigen Shows ausleben, brechen heulend aus Scham vor Kameras zusammen (Fukushima!), fallen also von einem Extrem ins andere. Emotionale Beeinflussung hat daher eine andere, stärkere Auswirkung (Kindchenschema, Piepsstimme usw.). Der sich gefühlstechnisch bislang sehr kontrollierte Mensch kann sich der Wirkung (visionell, auditiv, taktil) nicht mehr entziehen, die Selbstkontrolle kann nicht mehr aufrechtgehalten werden (ohne diesen Reiz konnte dieser Mensch durch das In-sich-Zurückziehen weiterhin sein Gesicht wahren).
Würde der derselbe Mensch bei uns aufgewachsen sein und sein bisheriges Leben hier verbracht haben, würde er mit Emotionen anders umgegangen sein (andere Mentalität/Soziokultur) und entsprechend weniger deutlich auf die E-Puppe reagieren.
Ein Vergleich sei mir noch gestattet: ein Kind erhält einen dieser elektronischen Hunde. Es erfreut sich daran - aber wie lange? So lange, bis dieser Hund keine Überraschungen mehr zu bieten hat. Er reagiert immer nach Schema F. Auch ein Zufallsgenerator in einem komplexeren E-Spielzeug hat schlussendlich nur vorhersehbare Handlungen anzubieten. Und hier kommen wir in den Bereich der Wahrnehmung: Körperlich und/oder mental eingeschränkte Menschen sind sehr gute Beobachter nehmen viel mehr auf, als wir glauben.
Beispiel: eine Dame, die nie im Leben etwas mit Haustieren zu tun gehabt hat, desorientiert war und "hochgradig dement", aber noch nicht ganz körperfern, sagte plötzlich: "Geben Sie dem Hund was zu trinken, der hat Durst. Er kann nicht mehr, muss Pause haben!" Meine Überraschung können Sie sich vllt. vorstellen, zumal sie Recht hatte, alles richtig interpretierte. Dabei hatte sie "nur" den Hund angesehen!
Ich hoffe, dass jetzt meine Ausführungen etwas verständlicher sind.
Allgemein könnte man es vllt. so formulieren: "Dein Gehirn kann mehr als du denkst". Aber DAS vergessen leider viele.
evan