Glaube, ich habe es da zumindest etwas leichter als du - wobei ich bislang dachte, es wäre eher ein Nachteil für meine Gruppe, dass so stark gemischt ist zwischen dement und nicht dement.
Ich erzähle einfach mal von meiner Gruppe: Da sind einige Wenige, die verlangen Anspruch. Dann sind da noch diejenigen, die dabei sitzen, und wenn man sie nicht erreicht auch wirklich nur sitzen.
In einer Gruppenstunde eine Mischung hinzubekommen, bei der keiner einfach abschaltet, ist schwer.
Anfangs- und Endelied klappt, ist doch schonmal gut. Da kann dann jeder teilnehmen. Direkt da würde ich auch schon ansetzen: Ein Lied mehr, entweder eins, das jeder kennt, oder eins mit Rhythmus. Gemeinsam schunkeln ist auch schön, bringt Bewegung und Gemeinschaftsgefühl zwischen Leuten, die sich sonst nichtmal gegenseitig anschauen.
Das verbindet.
Für meine Leuts sind die obligatorischen Gruppenstunden auch zu hart... oder zumindest ein grosser Teil davon. Wenn ich sage, "Anfangsbuchstabe ist B"... Nein, das klappt nicht. Und die Leuts sind dann verunsichert.
Und das letzte, was ich möchte, ist ihnen das Gefühl zu geben, ich kann da ja eh nicht antworten, ich weiss ja eh nichts.
Gegenstände - wie du ja auch schreibst - zum Betasten sind gut. Ich hatte gerade das Thema "Bauernhof", und habe dazu Tierfiguren herumreichen lassen. Und da war dann von einer der Schwächsten unserer Gruppe zumindest die Aussage da: "Wir hatten 4...4...öhm...4..." Ob nun Kühe, oder Hühner, oder Schweine - sie konnte es nicht mitteilen. Aber, sie war kognitiv voll dabei. Antwort "Kühe" habe ich dann angeboten, ich weiss nicht, ob es stimmt, aber sie ist darauf eingegangen. Wir hatten dann auch alle ein offenes Gespräch, wer kennt welche Tiere, wer hatte welche Tiere. Lief auch darauf hinaus, wer kann melken, etc.
Ich habe dann ein Buch benutzt "Tierquizz", mir mehr oder weniger schweren Fragen: "Warum kräht ein Hahn?", "Wie viele Liter Milch gibt eine Kuh pro Tag?" - Die Antworten wußte keiner - aber dadurch, dass die Leuts z.T. die Figuren in der Hand hatten, z.T. Ideen zu den Fragen hatten, konnte man die ganze Gruppe einbinden. Schätzwerte kann jeder abgeben: "Mehr" oder "Weniger"; auch hier kamen Angaben von Teilnehmern, von denen ich es nicht erwartet hätte.
Ich habe auch Bilder von Höfen herumreichen lassen. Und da denke ich, ist es doch schon ein Erfolg, wenn stark demente Patienten die Bilder annehmen und weiterreichen können. Sie nehmen Kontakt auf, was sie sonst evtl. eher weniger tun, sie beachten die Richtung, sie sind in dem Moment Teil der Gruppe. Und sie betrachten die Bilder, die sie in Händen halten. Und der ein oder andere nimmt Bezug auf das Bild und sagt was dazu - obwohl man das nie erwartet hätte.
Den Leuts was an die Hand geben ist in jedem Fall gut - auch wenn sie sich nicht dazu äußern, zumindest stärkt es Motorik und auch Gemeinschaftsgefühl.
Jedem gerecht werden kann man glaube ich nicht. Man kann nur versuchen, jeden mit zu beteiligen.
Kreativgruppen:
Finde ich auch extrem schwer.Bei uns ist es teils so, dass auch bei einfachen Aufgaben stark demente Patienten sich überfordert fühlen, andere Patienten sagen "warum soll ich hier jetzt arbeiten, ich kriege kein Geld!"
Hauswirtschaftliche Tätigkeiten in Einzelarbeit funktionieren besser als eine Gruppe - nur, da fehlt es dann wieder an Zeit bei dem Betreeungspersonal.
Was ganz gut läuft ist Ponpons wickeln für Ponpontierchen - einige der schwächeren Bewohner arbeiten gerne mit, und einige der schwächsten Bewohner freuen sich über die so entstandenen Tierchen.
Mandalas malen - auch das macht einigen Bewohnern Freude - nur darf die Gruppenstärke dafür auch nicht zu groß sein!