Hallo zusammen,
da wir (5 zusätzliche Betreuungskräfte) mit verschiedenen Gruppenangeboten inzwischen gezielt alle mobilen Bewohner in der Einrichtung, in welcher ich arbeite, erreichen können, konzentriere ich mich in letzter Zeit ganz speziell auf die Bewohner im Bett, also diejenigen Menschen, welche die meiste Zeit oder immer im Bett verbringen.
Leider werden diese noch nicht so ausgiebig betreut wie ich mir das gerne wünsche, aber das ist denke ich mal eine Frage der Zeit, dies meinen Mitarbeiterinnen näher zu bringen. So nach und nach ist schon ein Umdenken festzustellen dass 1 Betreuung/Monat zu wenig ist.
Was den Bewohnern angeboten werden soll und wieso steht in den Pflegeplanung und jeder Mitarbeiter hat eine Auflistung aller Maßnahmen. Doch an der Umsetzung scheitert es oft, an Ideen etc. und es wird dann etwas ganz anders angeboten und die Vor/Nachbereitungszeit verschlingt die meiste Zeit. In 4-6 Arbeitsstunden werden dann oft nur 4-6 Menschen betreut oder nicht die Menschen im Bett sondern die Mobilen.
Unsere Einrichtung verfügt aber über 155 Betten und viele der Menschen sind dort eben auch die meiste Zeit und können nicht an Gruppenaktivitäten teilnehmen.
So habe ich mir überlegt, wie ich mit 1x Vor/Nachbereitung viele Bewohner sinnvoll zusätzlich erreichen kann und wo auch meine Mitarbeiterinnen ihre Aufgabe verstehen und ohne viel Aufwand anbieten können.
Da überlegte ich mir die
„Thementage am Bett“ und mir fiel ein, „sowas haste ja eigentlich schon oft gemacht!“ z.B. zur Weihnachtszeit mit weihnachtlich geschmückten Wagen durch die Zimmer, Tannenzapfen etc. gezeigt und fühlen lassen, Weihnachtlieder gesungen…
Nun also überlegt und mir fiel als erstes der
„Thementag am Bett – Thema Erdbeeren“ ein. Dazu fuhr ich mit einer Bewohnerin im Rollstuhl zum nahegelegenen Supermarkt und kauften dort Erdbeereis ein. Im „Ständle“ davor 1 kg frische Erdbeeren. Zurück vom Einkaufen wuschen mobilere (demenziell erkrankte) Bewohner die Erdbeeren, entfernten geschickt die Stiele und schnitten diese in Stücke. Einen Teil davon gaben wir in eine Schüssel und füllten noch etwas Milch und Zucker dazu.
Nun besuchte ich die Bewohner am Bett und zeigte ihnen die Erdbeeren, ließ sie riechen, sprach darüber und zeigte Bilder von Erdbeerfeldern und Menschen beim Erdbeerpflücken oder las kurze Geschichten/Gedichte über Erdbeeren vor. Dann durfte probiert werden je nach Wunsch/Schluckstörungen ganze Erdbeerstücke, Erdbeerstücke mit Erdbeereis, zerdrückte Erdbeerstücke, zerdrückte Erdbeerstücke in Milch. Bei Bewohnern mit Magensonde konnte der Geschmack angeregt werden mit eine in der Erdbeermilch getränkte Kompresse oder dem Erdbeereis.
Der Erdbeertag kam natürlich gut an. Vor allem das Eis. Nur 2 Bewohner wollten nicht (eine war zu misstrauisch und eine hatte Angst vor Karies) Was den Bewohnern am meisten gefiel wurde in die PP übernommen und inzwischen auch erfolgreich wiederholt. Bei vielen Bewohnern haben wir nun wieder neue Möglichkeiten entdeckt das Wohlbefinden zu steigern.
Die Texte und das Bildmaterial war bereits vom Vortag (Gruppenstunde Thema Erdbeeren) vorhanden und musste nicht extra besorgt/gesucht werden.
Weiter machte ich eine Woche später mit dem
„Thementag am Bett – Thema Wunschmelodien“
Mit einem alten Schallplattenspieler und einem Teil unserer riesigen Schallplattensammlung kam ich diesmal ans Bett der Bewohner. Der Wagen war noch vom Vortag (Gruppenstunde Thema Wunschmelodien) beladen und die Vorbereitungszeit entfiel wieder. Anhand der Biografien und den Reaktionen der BW z.B. auf die Schallplattencover konnten die Wünsche der Menschen vorgespielt werden. Da so ein Schallplattencover meist noch eine Innenseite hat, konnte diese wie „Erinnerungsbücher“ angeschaut werden und oft waren noch Texte dabei zum Vorlesen. Oft wiedersprach auch die angegebene Wunschmusik in der Biografie den Wünschen der Bewohner. Diese werden meist von Angehörigen ausgefüllt wenn die Bewohner nicht mehr befragt werden können. Viele Bewohner summten mit den Liedern mit, seit langem war wieder ein Lächeln zu sehen. Natürlich wurde wieder alles, was den Bewohnern am meisten gefiel in die PP übernommen so dass eine Wiederholung stattfinden kann. Wieder wurden bei vielen Bewohnern neue Möglichkeiten entdeckt ihr Wohlbefinden zu steigern.
Als nächsten bot ich den
„Thementag am Bett – Thema Wohlfühltag“ an.
Dieser wäre, wie alle bisherigen Thementage auch, noch ausbaufähig. Eine Maniküre, so heißt das glaube ich (Fingernägel lackieren, zuvor Handbad) bot ich als Mann nun nicht an. Dafür Finger, Hand und Gesichtsmassagen mit verschiedenen Massageölen. Verschiedene Düfte in der Duftlampe wenn ohne Massageöl angeboten wurde. Dazu leise Meditationsmusik und eine Salzkristalllampe hatte ich auch dabei. Dass den Bewohnern dies gefiel war schon bekannt.
Letzte Woche war der
„Thementag am Bett – Thema Kaffee-Erinnerungen“
Am Vortag war die Gruppenstunde Thema Kaffee-Erinnerungen und die Vorbereitungen entfielen somit wieder.

Diesmal lud ich jeweils einen mobilen Bewohner mit ans Bett ein, so dass wir unser „Kaffeekränzchen“ zu Dritt machen konnten. Dazu war der Wagen diesmal ganz schön voll beladen. Darauf stand eine mobile Kochplatte um das Wasser direkt am Bett kochen zu können. Daneben mein Laptop mit alten Werbefilmen vom Melitta, Dallmayr, Hochlandkaffee, Linde’s und Caro Kaffee, welche wir später während des Kaffeetrinkens anschauten und für Gesprächsstoff sorgten. Auch schlecht sehenden Bewohnern waren doch die Melodien sehr bekannt. einer Keramikkaffeekanne brühte ich dann am Bett Linde’s Blümchenkaffee auf, welchen wir dann tranken. Alleine das alte Keramikgeschirr mit den Blümchen sorgte für viel Aufmerksamkeit und Gespräche. Dabei fiel auf, dass Nicht-Kaffeetrinker heute Kaffee tranken Bei .Bewohnern mit Magensonde konnte der Geschmacksinn wieder mit in Kaffee getränkten Kompressen angeregt werden. Und wieder konnten viele positiven Erfahrungen in die PP übernommen werden.
Als nächstes ist der
„Thementag am Bett – Thema Kräuter“ geplant. Verschiedene Kräuter sollen den Bewohnern zum Sehen, Riechen, Fühlen und Schmecken z.B. als am Bett zubereiteter Kräuterquark angeboten werden. Auch Kräutertee kann angeboten werden.
Weiter soll’s gehen mit dem
„Thementag am Bett – Thema Sommerblumen“
Nicht falsch verstehen: Die Thementage sollen nicht die einzige Betreuung/ Woche für die Bewohner im Bett sein, sondern eine Ergänzung sein (zu dem in der PP geplanten) und dazu dienen, noch besser auf die Wünsche der Bewohner eingehen zu können (diese zu erfahren) und durch Zeiteinsparung der Vor/Nachbereitungszeit mehr Zeit für die einzelnen Bewohner zu haben. Die Bewohner im Bett brauchen uns doch am dringendsten und kommen meist zu kurz.
Nun wäre ich für weitere Vorschläge zu „Thementagen am Bett" dakbar.
Welche Ideen hättet ihr für mich?
Danke
Pegasus