Hallo ihr Lieben
Ich benötige mal wieder eure Hilfe, meine Kollegen und ich kommen bei einer neu hinzugezogenen Bew. nicht weiter.
Vor etwa drei Wochen ist sie bei uns eingezogen, sie ist Ende 70 und verheiratet, wobei ihr Mann aber nicht mit im Hause wohnt.
Sie ist noch mobil (sogar sehr flink unterwegs) und zeitlich, örtlich und situativ extrem verwirrt.
Nun kommen bei ihr mehrere Probleme zusammen:
a) sie erzählt uns immer wieder das ihre Mutter an einer Darmkrankheit gestorben sei, weil sie sooft zur Toilette musste und das sie dies auch hätte. Allerdings ist sie nicht mehr oder weniger inkontinent als andere Bew., erlebt dies für sich nur als sehr schrecklich. Sie hat auch keine entsprechend e Diagnose. Sie KANN alleine zur Toilette gehen, tut es aber aus Angst vor Schmerzen nicht und hängt sich dadurch besonders an uns Therapeuten und Betreuungskräfte, damit wir sie begleiten, was aber bedeutet das sie aller 5 Minuten bei uns steht und zur Toilette begleitet werden möchte. Sobald wir den WB betreten rennt sie förmlich schluchzend auf uns zu, lässt sich nicht beruhigen und macht es uns unmöglich unserer Arbeit nachzugehen, auch wenn wir gerade in der Betreuung eines anderen Bew. stecken.
b) sie ist sehr verzweifelt, das ihr Mann nicht heim kommt, weil sie doch verheiratet sind und sich so schon kaum sehen, sie habe doch keinen Schlüssel für die Wohnung mehr. Sie "schwebt" ständig in diesem Zustand und beginnt heftig zu weinen. Sie ist dann weder zu beruhigen noich abzulenken und äußert sogar Suizidabsichten.
c) meine Kollegen und ich trauen uns gar nicht eine Bezugsbetreuung einzuteilen, wie das sonst üblich ist bei uns im Haus, da die Bew. sich so sehr auf eine Person die gut zu ihr ist fixiert und in eine Art Abhängigkeit verfällt, die ihr zu schaffen macht wenn die Person dann nicht da ist. Für uns ist es seither auch unmöglich die anderen Bew. auf dem WB zu betreuen und therapieren, da sie stetig Aufmerksamkeit fordert, zur Toilette begleitet werden möchte, Weinkrämpfe bekommt und mit Suizid droht.
Wir versuchen sie schon in soviele Hausarbeiten wie möglich einzubeziehen, was aber nicht einfach ist. Die geistig fitteren Bew. sind sehr ungerecht gegenüber den Dementen und wollen nicht "das so jemand ihren Tisch abwischt", was dann in Beleidigungen und Frust auf allen Seiten endet. Die Bew. beschäftigt sich aber auch nicht selbst mit gegebenen Aufgaben, sodass sie ständig Aufmerksamkeit und Unterstützung fordert und die anderen Bew. zu kurz kommen.
Für sie ist der Zustand sehr schwer, sie weint eigentlich immer bitterlich, ist aber weder mit ruhigen Gesprächen und Zuwendung, noch mit Ablenkung wieder zu beruhigen. Sie wirkt so verzweifelt, das wir inzwischen alle der Meinung sind, sie stünde kurz vor einem Nervenzusammenbruch.
Wie können wir dieser Frau wirklich helfen? Wir möchten ihr ein wenig Selbstständigkeit schenken, damit ihr Leben nicht von einer scheinbar vererbten, tödlichen Krankheit bestimmt wird. Die Sehnsucht nach ihrem Mann wird sich hoffentlich nach einiger Zeit etwas legen wenn sie sich eingewöhnt hat und sich im Haus zurechtfindet. In dieser Hinsicht unterstützen wir sie mit ROT und demnächst auch Zimmereinrichtung.
Das Problem ist, das sich niemand von uns wirklich den gesamten Arbeitstag ihr allein widmen kann, das würde ihr auch nicht gut tun. Ohne diese "Rund-um-die-Uhr"-Betreuung scheint es ihr aber von Tag zu Tag schlechter zu gehen.
Wenn hier jemand schon ähnliche Erfahrungen gemacht, oder Ideen hat, würde ich mich über einen Austausch sehr freuen
LG, violet